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25. Oktober 2017

In den letzten Tagen des alten Jahres 2015 sind die drei Normenentwürfe zur neuen DIN 18157 „Ausführung keramischer Bekleidungen im Dünnbettverfahren“ erschienen. Im Folgenden erfahren Sie welche Neuerungen zu erwarten sind und welche Anwendungsbereiche auch in Zukunft weiterhin in den Merkblättern des Fachverbandes geregelt werden.

 

 

Vollständig überarbeitet

 

Seit der Veröffentlichung der DIN 18157 Teil 1  im Juli 1979 sind bis heute fast 37 Jahre vergangen. Für das in der Norm beschriebene Dünnbettverfahren ist das eine lange Zeit, besonders wenn man die Ansprüche des Deutschen Instituts für Normung zugrunde legt, spätestens alle 5 Jahre eine Norm hinsichtlich des Stands der Technik zu überprüfen. Wenn nach so langer Zeit ein Regelwerk endlich eine Überarbeitung erfährt, dann sind die Erwartungen groß. Der nachfolgende Text soll einen kurzen Überblick zu dem aktuellen Stand der Entwürfe geben. Welche Neuerungen haben Einzug gehalten, in welchen Punkten sind noch Diskussionen und mögliche Änderungen zu erwarten und welche Inhalte werden weiterhin schmerzlich vermisst?

 

Bevor wir die neuen Entwürfe im Detail betrachten, sollten wir uns zunächst die wesentliche Aufgabe einer Norm verdeutlichen. Laut DIN soll eine Norm zur Sicherheit und zur Qualitätsverbesserung beitragen. Dazu definiert die Norm im Wesentlichen einen Mindeststandard, der, von Ausnahmen abgesehen, von den Vertragsparteien am Bau privatrechtlich vereinbart werden kann. So gesehen ist das eigentliche Verfahren der Dünnbettverlegung nahezu unverändert und eine Überarbeitung wäre nur in Details notwendig gewesen. Betrachtet man hingegen die gängige Baustellenpraxis und ruft sich allein die Anzahl der existierenden Merkblätter des Fachverbands ins Gedächtnis, erkennt man doch weiteren Regelbedarf. Dementsprechend hat eine vollständige Überarbeitung der drei Normenteile stattgefunden. 

 

Wann ist der Zementestrich belegreif?

 

Einige der heutigen gängigen Untergründe zur Fliesenverlegung waren vor 37 Jahren noch gar nicht entwickelt oder besaßen nicht die heutige Marktbedeutung. Die Gruppe der Ansetz- und Verlegeflächen wurde dementsprechend sinnvoll erweitert. Zementgebundene Trockenbauplatten, beidseitig beschichtete Hartschaum-Bauplatten, Magnesia-Estriche, Fertigteil-Estriche, Trockenhohlböden, Altbeläge, Verbundabdichtungen und Metalluntergründe wurden neu aufgenommen. Für besondere Diskussionen in den nächsten Wochen wird vermutlich die Definition zur Belegreife von Zementestrichen führen. Der derzeitige Normenentwurf der DIN 18157 Teil 1 führt dazu aus:

 

„Die Belegreife ist erreicht, wenn sich der Estrich nur noch begrenzt verformt. […]. Im Innenbereich kann dies nach 28 Tagen erreicht sein. In der Regel kann dann der Feuchtigkeitsgehalt 2,0 % bis 2,5 % […] betragen.“

 

Der Wortlaut verdeutlicht auch Außenstehenden, wie kontrovers das Thema innerhalb des Normenausschusses offensichtlich diskutiert wurde. Auf der einen Seite wurde die 28 Tage-Regel der alten Norm aufgegriffen, auf der anderen der Feuchtigkeitsgehalt eingeführt. Eine klare Vorgabe kann man der Formulierung hingegen nicht entnehmen. Eine Unterteilung in beheizte und unbeheizte Estriche findet nicht statt. Die Norm lässt hier einen erheblichen Spielraum für Interpretationen, der für kontroverse Diskussionen zwischen Auftraggeber und Fliesenleger bei der  Beurteilung der Belegreife führen dürfte. Bei den Calciumsulfat-Estrichen werden hingegen die bewährten Restfeuchten für beheizte (≤ 0,3 %) und unbeheizte (≤ 0,5 %) Konstruktionen beibehalten.

 

Höhere Ansprüche stellt der aktuelle Entwurf an Gussasphaltestriche. Abweichend von der DIN 18560 Teil 2 wird für unbeheizte Gussaspaltestriche bei Wohnraumbelastung auf Dämmschicht (Zusammendrückbarkeit c ≤ 2 mm) eine Mindestnenndicke von 40 mm gefordert. Eine sinnvolle Einschränkung, da es bei den normkonformen dünneren Konstruktionen mit Fliesen- und Plattenbelägen in der Vergangenheit zu Schäden gekommen ist.

 

 

Schutz für feuchteempfindliche Untergründe 

 

Für einige Untergründe werden in den Entwürfen nun Grundierungen oder Haftbrücken gefordert. Ebenso wird die in der Praxis bewährte Kratzspachtelung beschrieben. Ein besonderes Augenmerk wird auf feuchteempfindliche Untergründe gelegt. Für die Belegung von Magnesia-Estrich ist der Untergrund mit einer sperrenden Grundierung vor dem Frischmörtel zu schützen. Weitere Angaben z.B. über den Materialtyp der Grundierung gibt die Norm nicht. An anderer Stelle wird man spezifischer. Bei der Verlegung von Belagsmaterialien mit einer Fläche > 0,16 m2 auf Calciumsulfat-Estrich muss entweder mit einer sperrenden Reaktionsharzgrundierung oder mit einer Kombination aus Dispersionsgrundierung und schnell trocknendem Mörtel gearbeitet werden. Diese Maßnahme beugt Ettringitbildung vor und hat sich in den letzten Jahren bewährt.

 

 

Für die Baustellenpraxis nur bedingt geeignet


Erwartungsgemäß werden zur Verlegung Mörtel nach EN DIN 12004 eingesetzt. Eine spezifische Unterscheidung der Anwendungsfälle für die C1- oder die C2-Klasse erfolgt hingegen nicht. Prinzipiell sind beide Klassen für alle beschriebenen Anwendungen geeignet. Hier verweist die Norm auf die objektspezifische Belastung und überlässt weiterhin dem Anwender die Qual der Wahl. Eine Ausnahme gibt es dann aber doch. Bei der Verlegung auf Gussasphalt-Estrich in Kombination mit direkter Sonneneinstrahlung sind die Belagsfelder besonders zu planen und ein verformungsfähiger Mörtel der Klasse S1 oder S2 zu verwenden. Spätestens an dieser Stelle werden die meisten Leser der neuen Entwürfe kurz innehalte. Schließlich gibt es noch weitere alltägliche Herausforderungen in der täglichen Praxis, die durch das neue Regelwerk nicht abgedeckt werden. So wird z.B. für Beton oder andere schwindende mineralische Untergründe weiterhin lapidar eine Wartezeit von 6 Monaten empfohlen, obwohl eine frühere Belegung mit den oben genannten Mörteln problemlos möglich wäre. Gleiches gilt für eine frühere Belegung von Zementestrichen.  Techniken, die sich seit etlichen Jahren in der Baupraxis bewährt haben. Leicht fallen einem noch weitere Beispiele ein, die letztlich nur das Dilemma der neuen Norm aufzeigen. Eine umfassende Regelung der heutigen Baustellenpraxis kann in einer Norm kaum abgebildet werden und würde auch zukünftige Innovationen behindern. Als Ergänzung zur Norm wäre ein Praxisleitfaden als Anhang wünschenswert, der die heutige Baustellenpraxis berücksichtigt und dem Verleger zur Orientierung dienen könnte. Letztlich geben die neuen Normentwürfe nur die Mindestanforderungen wieder. Für Detaillösungen muss der engagierte Fliesen- und Plattenleger weiterhin die Merkblätter des Fachverbandes studieren.

 

 

Kommentieren erwünscht


Für die Fliesen- und Plattenleger dürften die drei neuen Teile der DIN 18157 die mit Abstand wichtigsten Normen ihres Berufsstandes darstellen. An einigen Textpassagen kann man deutlich erkennen, wie intensiv im Arbeitsausschuss um die eine oder andere Formulierung gerungen wurde.  Die hier vorgestellten Fassungen sind aber keineswegs final. Die Einspruchsfrist für die drei Teile endet am 04. April 2016. Für interessierte Fliesen & Platten-Leser verbleibt genug Zeit, auf dem Normenentwurfsportal des DIN (http://www.entwuerfe.din.de/) die Entwürfe selbst zu sichten und zu kommentieren. Unterstützen Sie den Arbeitsausschuss und gestalten Sie Ihr Handwerk konstruktiv mit.

 

 

 Tab. 1 Untergründe und Anforderungen

 

Putzemüssen nach DIN EN 998-1 mindestens Klasse CS II (Druckfestigkeit ≥ 1,5 N/mm2) oder DIN EN 13279-1 (Druckfestigkeit ≥ 2,0 N/mm2) entsprechen
Zement-Estriche (CT)Belegreife 2,0 % bis 2,5 % Restfeuchte nach CM-Methode
Gussasphalt-Estrich (AS)Estrichnenndicke für übliche Wohnraumbelastung mindestens 40 mm
Calciumsulfat-Estrich (CA, CAF)ist anzuschleifen und zu grundieren / Grundierung ist vom Belagsformat und dem Verlegemörtel abhängig
Trockenhohlbödenmüssen DIN EN 13213 mit einer maximalen Durchbiegung von l/650 entsprechen

 

 

Info Kasten 1: Die drei Normenentwürfe im Überblick

 

•  DIN 18157 Ausführung von Bekleidungen und Belägen im Dünnbettverfahren -Teil 1: Zementhaltige Mörtel

 

•  DIN 18157 Ausführung von Bekleidungen und Belägen im Dünnbettverfahren -Teil 2: Dispersionsklebstoffe

 

•  DIN 18157 Ausführung von Bekleidungen und Belägen im Dünnbettverfahren -Teil 3: Reaktionsharzklebstoffe

 

 

 

Info Kasten 2: Einige der Ergänzungen gegenüber der alten DIN 18157:1979-07:

 

Erweiterung des Anwendungsbereichs z.B. auf Natur- und Betonwerkstein  

Aufnahme der Fliesenkleber nach DIN EN 12004

Aufnahme neuer Verlegeuntergründe, wie z.B. Hohlboden oder Verbundabdichtung

Die Restfeuchte zur Beurteilung der Belegreife von mineralischen Estrichen

Aufnahme der Fugenmörtel nach DIN EN 13888

Hinweise zur Grundierung und zum Schutz von feuchteempfindlichen Untergründen

Beschreibung des kombinierten Verfahrens

Empfehlung einer rückseitigen Kratzspachtelung bei Großformaten (Kantenlänge ≥ 0,25 m2)

 

 

Ihr Kontakt:

Dr. Oliver Wowra

Leitung Technik