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03. Mai 2018

Herr Rohling, wir freuen uns, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Sie ahnen sicher, worüber wir mit Ihnen sprechen möchten…

 

Der Aufhänger ist natürlich, dass die Botament in diesem Jahr 25 Jahre alt wird. Und genau so lange bin ich auch schon im Unternehmen tätig. Wir feiern also quasi Silberne Hochzeit…

 

Wobei Sie davor ja bereits für die Muttergesellschaft, die MC Bauchemie, tätig waren.

 

Genau. In der Gruppe bin ich so gesehen jetzt schon dreißig Jahre. Der Hintergrund war der, dass ich damals nach meiner Ausbildung zum Fliesenleger eine Anzeige der MC gesehen habe und daraufhin im Unternehmen als Anwendungstechniker angefangen habe – genauer gesagt beim Tochterunternehmen Ultrament, das es heute natürlich auch noch gibt.

 

Wie kam es denn zur Gründung der Botament?

 

Die MC hatte bereits in den 80er Jahren ihren geschäftlichen Schwerpunkt auf den großen Baustellen und in der Projektarbeit. Parallel dazu wollte man aber auch ein nachhaltiges Geschäft mit dem Fachhandel aufbauen. So hat Claus-Michael Müller, der damalige Geschäftsführer der MC, 1989 intern den Auftrag vergeben, ein solches Standbein aufzubauen und damit zu starten. Ich weiß noch, dass er damals sagte, ihr werdet noch nicht gleich eine selbstständige Firma, sondern erst, wenn ihr 5 Millionen, damals natürlich noch D-Mark, an Jahresumsatz erzielen könnt. Dieses Ziel haben wir dann drei Jahre später, also 1992 erreicht, und dementsprechend 1993 als Botament GmbH & Co.KG ins Handelsregister eingetragen.

 

Wie haben Sie diese Phase damals erlebt? Gab es echte Aufbruchstimmung?

 

Absolut! Aufbruchstimmung, Pionierzeit – alles in einem. Das war spannend, interessant, lebendig. Und nicht nur ich habe damals jede Menge Erfahrung sammeln können.

 

Wie groß war denn das zu gründende Unternehmen damals?

 

Wir sind Ende der 80er tatsächlich mit drei Personen gestartet, um diese 5 Millionen zu generieren. Das war nicht ganz so einfach! Es gab ja nicht einmal ein echtes Produktsortiment. Zum Teil mussten wir damals Produkte der MC und der Ultrament umetikettieren und mit eigenen Labels versehen. Das Tolle war, dass sich alle Beteiligten damals ungeheuer vielfältig einbringen und verwirklichen konnten. Schließlich musste jeder so ziemlich alles machen.

 

Gab es da besondere Erlebnisse?

 

Ich kann mich gut erinnern, dass das mit dem Firmennamen schon anfing. Wir haben mit der Findung eines Namens keine Agentur beauftragt, sondern haben abends im kleinen Mitarbeiterkreis zusammengesessen und den Namen Botament selbst kreiert. Die Endsilbe „ment“ war für uns quasi gesetzt – in Anlehnung an die Ultrament. Dann sind wir vom Standort Bottrop ausgegangen und haben das Autokennzeichen davorgesetzt. So wurde schließlich der Firmenname Botament aus der Taufe gehoben.

 

Damit wurde dann auch gleich die Heimatverwurzelung manifestiert?

 

Durchaus. Ich selber komme ja auch aus Bottrop und bin ein echtes Kind des Ruhrgebietes. So wie das Unternehmen.

 

Wie haben Sie dann den Kundenstamm aufgebaut? Haben Sie Kunden vom Mutterunternehmen MC übertragen bekommen, oder alles selbst aufgebaut?

 

Das waren tatsächlich bereist damals überwiegend Neukunden, die wir selbst generiert haben. Es sollte ja das Handelsgeschäft angestoßen werden – und das bedeutete für uns: Wir mussten bei klassischen Fliesenhändlern und Baustoffhändlern versuchen, Nachfrage zu schaffen.

 

Wer war denn dabei Ihr erster echter Kunde?

 

Da muss ich tatsächlich überlegen. Das war die Firma Fliesenhandel Koch in Solingen, die Ende der 80er als erster Kunde Botament-Produkte bezogen hat – und das übrigens auch heute noch tut! Wie eine ganze Reihe anderer uns seit den frühesten Tagen die Treue halten. Und das sind tolle Erinnerungen.

 

Wenn Sie auf die 25 Jahre Botament zurückblicken, was waren denn darin Ihre persönlichen Highlights?

 

Man hat tatsächlich so viele erlebt. Ein ganz persönliches Highlight war für mich ein Erlebnis Mitte der 90er Jahre, als MC ein neues Hochregallager errichtet hat. Leider funktionierte darin die vollautomatische Unterstützung in den ersten Wochen noch nicht richtig. Deshalb mussten damals alle Mitarbeiter der Botament aus ganz Deutschland zusammenkommen, damit die Ware gestapelt und verladen werden konnte. Unser Geschäftsführer Claus-Michael Müller kam selbst jeden Tag mehrfach mit Schokolade vorbei, um uns mit Nervennahrung zu versorgen. Das war so ein tolles Gemeinschafts-Erlebnis, dass ich heute noch Kunden und sogar meinen Kindern davon erzähle.

 

Sind solche Momente auch ein positiver Ausdruck der Tatsache, dass die Botament damals wie heute ein familiengeführtes Unternehmen ist?

 

Absolut. Auch wenn wir heute natürlich eine gewisse Konzernstruktur haben-. Aber man merkt jeden Tag – an den kurzen Wegen der Entscheidungen, den Gesprächen mit dem Inhaber oder seinem Sohn Nicolaus Müller – dass dieser Umstand hervorragend dazu beiträgt, dass wir uns schnell dem Markt anpassen und schnelle Entscheidungen treffen können. Das ist ein Riesenvorteil, und ich schätze das sehr.

 

Wo ist den Botament heute schwerpunktmäßig aufgestellt?

 

Von den Absatzmärkten her beliefern wir weiterhin den klassischen Baustoff- und Fliesenhandel. Die Produktthemen kann man heute in vier Bereiche gliedern: Die Fliesentechnik, die Baustofftechnik, den Bereich Bodentechnik und den Bereich der Feucht- und Nassraum-Systeme. Das sind unsere Schwerpunkte in der Vertriebsausrichtung.

 

Gibt es da bei Ihnen einen stillen Favoriten, also einen Bereich, mit dem sie besonders gerne zu tun haben?

 

Ich muss gestehen, der Fliesenbereich, in dem wir auch einen Großteil unseres Umsatzes machen, ist mir schon nach wie vor besonders vertraut. Schließlich bin ich da ja auch verwurzelt. Aber alle anderen Bereiche sind natürlich genauso wichtig, vor allem für unser weiteres Wachstum.

 

Haben Sie im Fliesenbereich aufgrund Ihrer Ausbildung eine besondere Glaubwürdigkeit?

 

Also, auch nach dreißig Jahren hat man sicher immer noch ein besseres Grundverständnis der Arbeiten. Aber ganz ehrlich – wenn Sie unsere Außendienstler heute fragen, würden die vielleicht eher abraten, mich zur Fliesenleger-Praxis zu befragen (lacht).

 

Was hat sich den in den vergangenen 25 Jahre aus Ihrem Blickwinkel am deutlichsten verändert?

 

Ganz klar: Die Schnelligkeit und die Transparenz der Geschäfte. Gestützt durch die Digitalisierung und die neuen Medien. Sie sind heute einfach immer greifbar und erreichbar. Früher haben Sie morgens das Haus verlassen, kamen dann abends wieder - und wenn Ihre Frau dann gerade mal nicht da war, hat sie Ihnen vielleicht eine Nachricht mit einem Zettel am Kühlschrank hinterlassen. Heute undenkbar. Diese schnelllebige Entwicklung ist Fluch und Segen zugleich. Sie merken natürlich, dass Sie immer weniger Zeit haben, mal in Ruhe nach rechts und links zu schauen. Dinge zu reflektieren. Andererseits haben sich die Möglichkeiten, Informationen zu verbreiten aber auch zu sammeln, sagenhaft verbessert. Und das ist geschäftlich natürlich ein Vorteil.

 

Wie sind denn Ihre Erwartungen an die Zukunft des Unternehmens?

 

Vor allem müssen wir einfach das tun, was wir die letzten 25 Jahre bereits getan haben: Wir müssen engagiert arbeiten, flexibel bleiben in dem, was wir machen, und uns immer schnellstmöglich dem Markt anpassen, Dabei müssen wir als ein Unternehmen wahrgenommen werden, dass immer wieder innovative Ideen erkennt und dann auch umsetzt.

 

Was könnte dabei eine besondere Herausforderung sein?

 

Natürlich wird die Digitaliserung in der Baubranche ein Thema sein. Dabei müssen wir als Anbieter den direkten Kontakt zum Kunden suchen und bewahren und uns nicht Umsätze von Online-Anbietern abnehmen lassen. Dazu muss aus meiner Sicht die Ansprache viel stärker auf den Punkt kommen. Lange Texte und weiterführende Informationen werden heutzutage immer weniger gelesen, stattdessen häufig nur noch überflogen. Das war früher anders, als man sich dafür Zeit nehmen konnte. Heute dürfen also nur noch die wichtigsten Informationen übertragen werden.

 

Geht aus Ihrer Sicht heute alles nur noch über den Preis – oder Ist der persönliche und beratende Kontakt nicht gerade jetzt auch ein Verkaufsargument?

 

Ich hoffe sehr, dass es so ist. Dass der Service, die persönliche Beratung, kurz, alles, was wir bieten, da einiges an Boden gut machen kann. Natürlich ist ein erheblicher Preisdruck im Markt. Das war aber offen gesagt vor 25 Jahre auch nicht anders und es fällt schwer zu sagen, ob es heute schlimmer geworden ist. Wichtig ist aber, dass die Preistransparenz heute eine völlig andere ist, da Sie mit dem Internet jederzeit jeden beliebigen Vergleichspreis in Erfahrung bringen können. Aber ich glaube ganz sicher, dass unsere Stärken, die wir haben, also unser Service, unsere Produktpalette, unsere über vierzig Mitarbeiter im Außendienst vor Ort, auch heute noch ein ganz, ganz wichtiger Punkt sind, mit dem wir ja auch werblich erfolgreich auftreten.

 

Wie stark bewerten Sie dabei den Faktor des nachhaltigen Bauens?

 

Das ist für uns eins ehr wichtiger Bereich mit einem hohen Stellenwert. Wir haben da schon verschieden Maßnahmen eingeleitet und natürlich bereits einige Labels und Zertifikate, die wir vorweisen und einbinden können.

 

Worauf freuen Sie sich in der Zukunft? Was finden Sie perspektivisch besonders interessant?

 

Dadurch, dass wir seitens der Nachfolge in der Geschäftsführung in der Person Nicolaus Müller, der uns nach seiner Zeit am Standort der MC Bauchemie in Brasilien nun künftig maßgeblich mitbetreut, weiterhin ein wirklich wunderbar geführtes Unternehmen sind, sehe ich supergute Ansätze dafür, dass wir unsere Stärken weiter ausbauen können. Und dass wir so auch beim bereits angesprochenen Thema der Digitalisierung am Bau, das meiner Meinung nach noch in den Kinderschuhen steckt, in der Lage sein werden, einen Schritt schneller zu sein als andere, aktuell vielleicht noch größere Unternehmen im Wettbewerb.

 

Was ist nach den ersten 25 Jahre Botament Ihr Fazit?

 

Vor allem merkt man das die Botament lebt. Und dass man selbst Botament lebt. Bei unserer Kickoff-Veranstaltung Ende des letzten Jahres konnte man wieder mal sehen, wie stark der Zusammenhalt ist. Dass wir alle an einem Strang ziehen. Dass das Unternehmen menschelt. Die Identifikation mit dem Unternehmen ist riesig hoch. Natürlich hat man Situationen, in denen man auch mal durchaus kontrovers diskutiert. Aber letztendlich geht es immer in eine Richtung. Das ist eine Riesenstärke, die wir haben. Die steht wie eine Wand! Und ich hoffe, dass das so weitergeht.

 

Herr Rohling, wir bedanken uns sehr für das Gespräch!